„Bachs Musik ist so komplex, dass man sie nicht nur aus der klassischen Perspektive verstehen und interpretieren kann“, erklärt Hage. Weil Bach also nicht nur mit Streichorchester und Kammerchor funktioniert, hat Hage die 36. Aachener Bachtage 2009 ganz eigen aufgezogen: Ein Jazzkonzert läutet das Festival ein, beim Orgelkonzert im Kerzenschein können Musikliebhaber ganz ohne visuelle Ablenkungen allein den Klängen von Bach oder Mozart lauschen oder das tolle Festival-Finale beim abschließenden Requiem von Johannes Brahms live erleben.
Nicht nur Bach-Liebhaber sollen die Bachtage begeistern: Zwar steht das musikalische Werk Bachs im Fokus, wichtiger ist Georg Hage jedoch das inhaltliche Thema. Und das heißt in diesem Jahr „Am Ende der Zeiten“. „Ich wünsche mir, dass sich die Besucher ihre eigenen Gedanken machen, unsere Musik hören und einen Sinn für sich persönlich daraus ziehen.“ In früheren Epochen hätten sich die Menschen intensiver als heute mit dem Thema Tod beschäftigt, findet Hage. „Wir wollen zeigen, wie das etwa bedeutende Komponisten getan haben.“ Alle Werke des Programms beziehen sich auf das „Ende der Zeiten“ – mal über die Zeit oder Umstände ihrer Entstehung, mal über den Inhalt oder ihren Zweck. Die „Musikalischen Exequien“ etwa hat Heinrich Schütz eigens für die Beerdigung eines deutschen Fürsten komponiert, „und auch Stücke von Mozart und Brahms aus unserem Programm sind zu Zeiten entstanden, in denen die Musiker mit dem Tod in Berührung kamen“, so Hage. Auch zeitgenössische Stücke des Esten Arvo Pärt oder des Ungarn György Ligeti sind dabei. Fünf der sieben Konzerte finden in der Annakirche statt. „Der Klang ist hier außergewöhnlich gut. Und für Bachs klingende Predigten ist das unerlässlich, da man hier jedem Takt und jedem Satz anmerkt, dass große Absichten dahinter stecken, die sich entfalten wollen“, so Hage. (ths)