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Doppel-Jubiläum mit Pauken und Trompeten gefeiert

200 Jahre evangelische Anna-Gemeinde und 90 Jahre Bachverein - Herausragendes Konzert - Seltene Werke

Von Alfred Beaujean

Aachen. Mit Pauken und Trompeten feierte der Aachener Bachverein zwei Jubiläen: das 200-jährige Bestehen der evangelischen Anna-Gemeinde und das 90-jährige Bestehen des Bachvereins. Das Festkonzert in der Aachener Michaelskirche wurde zu einem am Ende bejubelten Ereignis. Schon das äußere Aufgebot war imponierend: Neben dem in großer Besetzung angetretenen Bachverein wirkte erstmals in dieser Kombination das Sinfonieorchester Aachen mit; nicht weniger als neun Solisten, darunter als prominentester der Startrompeter Guy Touvron aus Paris, standen bereit. Kirchenmusikdirektor Wolfgang Karius hatte ein Zwei-Stunden-Programm gewählt, das völlig außerhalb des gängigen Repertoires lag. Weder die früheste Messe in F-Dur von Franz Schubert noch das erst 1938 wiederentdeckte Te Deum des zweiundzwanzigjährigen Otto Nicolai dürften hier jemals erklangen sein. Und ein hübscher Zufall Das Trompetenkonzert von Johann Nepomuk Hummel entstand im Jahre 1803, dem Gründungsjahr der Aachener Anna-Gemeinde. Schuberts frühe Messe ist ein festliches, ausladendes Werk für Chor, volles Orchester und sechs Solostimmen, das seinen Glanzpunkt im Gloria findet. Nicolais Te Deum bietet neben dem vier- bis achtstimmigen Chor acht Solisten auf. Eine festlich rauschende Musik. Mit beiden chorisch höchst dankbaren Werken war der Bachverein klanglich wie singtechnisch nicht gering gefordert. Er entledigte sich seiner Aufgabe unter saunaähnlichen Bedingungen so sicher und prägnant wie klangschön. Karius hatte sowohl seinen Chor wie das hingebungsvoll musizierende Aachener Sinfonieorchester jederzeit sicher im Griff. Die Solisten können nur summarisch gewürdigt werden. Es waren die Sopranistinnen Ingrid Schmithüsen, Claudia Schulze-Althoff, die Altistinnen Christine Wehler und Annemarie Zunder, die Tenöre Andreas Post und Hans-Josef Ritzerfeld, die Bassisten Franz Gerisen und Hans-Helge Gerlik. Guy Touvron stahl den Vokalisten beinahe die Schau. Unglaublich, wie facettenreich seine Tongebung ist. Außerdem war er gebefreudig: Er wiederholte nicht nur das Finale des Hummel-Konzerts, sondern blies auch Schuberts populäres Ave Maria. Karius sorgte für ein reibungsloses Miteinander.

AZ, 23.7.2003